<< 09. März 2005 >>
Strassengüterverkehrspolitik und Standortsicherung im Zusammenhang mit der EU-Erweiterung
Die grossen Chancen, aber auch der verstärkte Wettbewerbsdruck, den die Erweiterung der Europäischen Union im Frühling des vergangenen Jahres mit sich gebracht hat, stellen eine spannende Herausforderung für den Logistikstandort Österreich dar. Die Einführung der Lkw-Maut, die unterschiedlichen Steuer- und Beschäftigungskostenniveaus und die in diesem Jahr zahlreich erlassenen Fahrverbote verlangen Anpas-sungen für die Wirtschaftstreibenden und lösen kontroverse Debatten aus.
Das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie und die Wirtschaftskammer Österreich haben gemeinsam die ProgTrans AG zur Bearbeitung einer Studie zu dieser Thematik beauftragt. Neben der Analyse von Verkehrs- und Unternehmensdaten wurden allgemeine und konkrete Wettbewerbsbedingungen verglichen. Eine routengebundene Fahrzeugkostenrechnung gibt Aufschluss über die unterschiedlichen Kostenstrukturen der Transporteure in verschiedenen Untersuchungs-ländern. Die Auswirkungen fiskalischer und marktordnungspolitischer Massnahmen auf die Wettbewerbsstellung österreichischer Transport-unternehmer und die verladende Wirtschaft werden beschrieben und als Grundlage für Überlegungen zur Sicherung des Wirtschafts-standortes Österreich verwendet. Ergebnisse sind u.a.:
Die Güterverkehrsleistungen auf den Verkehrswegen Österreichs haben seit Ende der 80er Jahre dynamisch zugenommen und werden auch weiter ansteigen. Die Schiene hat in Österreich im Vergleich mit den alten EU-Mitgliedsländern einen sehr hohen Marktanteil. Dennoch entfallen rund 57 Prozent aller Güterverkehrsleistungen auf die Strasse – Tendenz allerdings langfristig leicht zurückgehend! Beschäftigung und Umsatz des österreichischen Transportgewerbes haben auch in der jüngeren Vergangenheit zugelegt; allerdings auch die Insolvenzen (v.a. KMU). Die Megatrends im österreichischen Transportgewerbe sind „klassisch“: Mehr Sattelkraftfahrzeuge, mehr internationaler Verkehr, höherer Konkurrenzdruck und deutliche Konzentrationstendenzen. Harmonisierungsbedarf und Harmonisierungsmöglichkeiten gibt es vor allem bei den staatlich beeinflussten Wettbewerbsbedingungen – hier vor allem bei der Kfz-Steuer, die im Vergleich mit den anderen EU-Untersuchungsländern mit Abstand am höchsten ist. Im internationalen Wettbewerb bewegen sich die Kosten österreichischer Lkw´s mit denen deutscher und niederländischer auf ähnlichem Niveau. Im Verhältnis zu den neuen Mitgliedstaaten sind sie erheblich höher (durschnittl. EUR 130 je Tag).
Als Ergebnis der neuen wirtschaftlichen Verknüpfungen im erweiterten Europa kann beobachtet werden, dass sich Lieferströme verändern, Verlagerungen stattfinden, Standorte wechseln, räumliche Unterschiede zwischen peripheren Regionen und Zentralräumen sichtbar werden und das produzierende Gewerbe seine Tätigkeiten vermehrt in ausländische Standorte auslagert.
In einer Serie von Fachgesprächen mit Frächtern und Verladern haben wir ein Stimmungsbild bei Unternehmenseignern und Logistikbeauf-tragten eingefangen: Seitens der grösseren Frächter wurden die Wei-chen für eine EU-Erweiterung zwar frühzeitig gestellt, es bleibt aber weiterhin unerlässlich, die operative Hauptniederlassung in Österreich zu behalten. Ausgelagert werden in der Regel die Fuhrparks. Damit geht aber vor allem eine Auslagerung von Beschäftigung einher, was zu einem mehrfachen Verlust an Wirtschaftskraft und an Einnahmen für den heimischen Staatshaushalt führt. Vereinzelt setzen die Qualitätsan-forderungen an das Fahrpersonal Grenzen beim Einsatz ausländischer Fahrzeuge. Mit der absehbaren Freizügigkeit der Arbeitskräfte innerhalb der EU dürfte sich die Kostenschere zwischen „alter“ und „neuer“ EU durch einen verstärkten Wettbewerb mit der Zeit schliessen. Die Forderung nach Wirtschaftswachstum ohne Verkehrszunahme wird sich nicht erfüllen lassen. Die verbreitete Missstimmung über zu hohe Kfz-Steuer und Lkw-Maut geht einher mit mangelndem Verständnis für lokale Fahrverbote und der Forderung nach Harmonisierung in der europäischen Rechtsumsetzung und Vollstreckung. Ein verstärkter Wettbewerbsdruck ist in allen Wirtschaftsbereichen zu spüren – und dazu zählt vor allem auch die verladende Industrie, die sich zunehmend osteuropäischer Transporteure bedient. Das gilt vor allem für Transporte von und nach Osteuropa, die durch die Umstrukturierungen in Bereichen wie der Automobilindustrie oder der Holz- und Papierindustrie betroffen sind. Die Erweiterung der EU hat Vorteile gebracht, die sich in Einspa-rungspotenzialen auf dem Gebiet der Transportkosten widerspiegeln. Hierdurch werden bei den Frächtern Klein- und Mittelunternehmen (KMU) dramatisch gefährdet, weil ihnen Einsparungen durch Auslagerung nicht möglich sind und sie mittelfristig auch Konkurrenz durch Kabotage fürchten müssen.
Für weitere Informationen zum Projekt kontaktieren Sie unsere Auftraggeber, die Wirtschaftskammer Österreich oder das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie.
























































